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Stempel
Berliner PostämterBerliner Stempel
StempeldilemmaStempelklassifizierung

Gestempelt ist nicht gleich gestempelt, und schon gar nicht für Berliner Briefmarken.
Während die Briefmarken des Saarlandes nur dort verwendet werden konnten, die der DDR nur in der DDR, konnten die Berliner Briefmarken, für Berlin hergestellt, von ca. 60 Millionen Verbrauchern in der BRD ebenfalls genutzt werden. Und das wurde sehr intensiv getan. Denn so konnte die eigene Sammlung "Berlin gestempelt" ohne großen Aufwand von zu Hause aus, im damals noch benachbarten Postamt, gestaltet werden. Der "Bund"-Stempel wurde so für die Berliner Briefmarken zum Normalstempel. Die "Versandstellen für Briefmarken" versorgten massenhaft mit Ersttagsstempeln, blanco, auf FDC und ab 1975 auf ETB (hier je um die 400.000 Stück!!)
Man muß sich bei alledem mal die Größenverhältnisse vor Augen halten: die Stadt "West"-Berlin" hatte zu Zeiten ihrer postalischen Selbständigkeit rund 2,4 Mio. Einwohner, also weniger als 1/3 der Einwohner der "kleinen" Schweiz (rund 7,5 Mio.). Neben diesem Sammleralltag wurde im Berliner privaten und geschäftlichen Postablauf in gleichem Maße gehandelt wie überall auf der Welt - und die gebrauchten Postwertzeichen gingen auch ihre üblichen Wege.
Meines Wissens nirgendwo sonst auf der Welt gab es solch typische "Berliner" Verhältnisse. Und deswegen ist es auch so logisch, daß für einen Briefmarkensammler, der dieses "Ausgabeland" sammeln, dokumentieren und genießen möchte, der Berlin-Stempel obligatorisch ist. Nur mit ihm ist aufzuzeigen, welche Entwicklungen dort stattfanden, nur mit ihm ist eine Berlin-Marke auch authentisch.
Aber selbst wenn man dies nun tut, ist ein Berlin-Stempel nicht gleich Berlin-Stempel. Abgesehen davon, daß zu vielen Zeiten mehrere Standard-Stempel parallel Verwendung fanden, worauf ich an anderer Stelle eingehe, spielt der abgeschlagene Stempel selbst eine der Hauptrollen. Seine Qualität erscheint mir für die Bewertung der Marke ausschlaggebend, vor allem deswegen, weil, je höher der Qualitätsanspruch, das Angebot immer dürftiger wird. Das heißt unter anderem auch, daß selbst bei einfachsten und scheinbar häufigsten Marken der ideal zentrierte Vollstempel "Berlin" oder auch der bessere Stempel kaum zu finden ist. Eine Einstufung dieser Stempel fehlt jedoch!
Mit einer Klassifizierung gestempelter Briefmarken wäre es möglich, die Täuschung der breiten Mehrheit der Sammler, gleich wie gestempelt sei jede Marke etwas wert, zu beenden. Man würde jenen die Basis entziehen, die heute, gleich wo, mit den Schlagworten "sehr günstig", "preiswert", "super Schnäppchen", "Spuckebillig" oder "1 % vom Michel, per 1.000 minus 50 %" (alles aus der aktuellen Ausgabe einer Phila-Zeitschrift, in der man auch immer wieder Werbung für das Reparieren, Nachzähnen, Entfalzen, Neugummieren von Briefmarken und anderes findet), für ihre Angebote werben. Hintergangen wird damit ausschließlich der Nachwuchs, die Spaßsammler, die breite Schicht des "Sammler-Mittelstands". Enttäuschung, der verärgerte Ausstieg aus dem Briefmarkensammeln und das Wegbrechen von Kunden für den Handel ist damit vorprogrammiert.
Ärgerlich dabei ist vor allem, daß die, die Regeln schaffen, wider besserem Wissen keine Änderungen veranlassen. Oder weiß man dort wirklich nicht, daß die modernen Massenausgaben in den Katalogen maßlos überbewertet sind? Überall ist zu erfahren, daß 70 %, 80 %, bei bestimmten Ausgaben auch mal 100 % des Kapitaleinsatzes als Verlust abgeschrieben werden müssen (Beispiel an anderer Stelle: Berlin 1980 bis 1990 postfrisch, komplett, wurde für 15 % des Postpreises versteigert. 85 % Verlust!). Die Katalogpreise, in diesem Fall ca. € 640,--, (dem fast dreißigfachen!) bleiben jedoch unverändert. Für den Handel, der über schlechte Geschäfte klagt, ist das natürlich toll. Er setzt diese Preise im Verkauf an und gibt mehr oder weniger kleine Nachlässe an die (unwissenden) Besucher seines Ladengeschäfts, zurückkaufen wird er dieses Material auf keinen Fall. Die Spätfolgen scheinen ihm egal zu sein. Und den Umstand, daß er sich selbst seine Basis entzieht oder gar schon entzogen hat, scheint er erst gar nicht zu erkennen. Es werden Vorratslisten vorgelegt, in denen alle Positionen eines Sammelgebiets in gestempelter Erhaltung zu festen Preisen aufgeführt sind - ohne jede Abbildung (man fragt sich in unserer modernen Welt, warum nicht?). Ein Qualitätsstandard scheint völlig uninteressant. Einen Versandhändler hatte ich mal gefragt, ob es möglich wäre , sehr schöne, möglichst vollgestempelte Berliner Marken zu beziehen? Nein, die Arbeit, diese herauszusuchen, werde man sich nicht antun. Er macht übrigens gerade, auf unveränderte Art, tolle Sonderpreise wegen "Aufgabe seines Geschäfts"! Wie konnte es nur so weit kommen?
Ich denke, daß eine solche Klassifizierung gar nicht so schwer wäre, wenn man es nur wollte. Die Tatsachen sind eindeutig: bestimmte Spezies sind in Massen vorhanden, einige schwimmen, weder Fisch noch Fleisch, mit, andere sind gesucht, wieder andere sind sehr gesucht, und der Rest überhaupt nicht zu finden.
Die momentane Situation scheint ganz klar für den Handel, die Zubehörlieferanten, die Postverwaltungen und, das ist OK, obwohl es auch dort einiges zu bemängeln gibt, für die Auktionshäuser geschaffen.
Ich frage nun, was spricht dagegen, ALLE Briefmarkensammler (nicht nur die "Philatelisten"), als die Könige dieses Genres anzuerkennen? Könnte es nicht sein, daß eine äußerst breite Schicht begeistert agierender, Qualität sammelnder Philatelisten, unserem Hobby gewaltigen Auftrieb geben könnte? Daß ein Markt, dem der Schrott, die Manipulation, stupide Gewohnheiten und Gedankenlosigkeit entzogen wird, in dem nicht mehr Masse sondern Klasse die Devise ist, die übriggebliebenen Ressourcen zu einem gefragten Gut werden lassen, über das auch wieder positiv berichtet wird?
Es spräche also alles dafür, daß alle gemeinsam als Philatelisten auftreten, als Gemeinschaft. Alle Marktteilnehmer sind letztendlich wichtig, die, die wirklich wichtig sind, die, die sich für wichtig halten, die kleinen Spaßsammler, die leicht und die stark Fortgeschrittenen, die, die Geld, aber keine Ahnung haben, die, die Ahnung, aber kein Geld haben, die, die als lukrative Partner des Handels auftreten, auch die, die "satt und zufrieden" auf ein erfülltes Sammlerleben zurückblicken und heute sowieso kein Verständnis für die Jungen haben und natürlich die Spitzenphilatelie, die das aus dem Markt filtert, was zwischen sehr gut und absoluter Spitze liegt. Letzteres dürfte der einzig gesunde Bereich der Philatelie sein, dort stimmen die Verhältnisse. Nur, warum distanziert man sich auch dort wie in so vielen anderen Bereichen der Philatelie so von den "Unwissenden", statt sie zu fördern, sie wissend und für das Sammeln fit, zu künftig potenten Kunden zu machen?
Hier sind die Kataloghersteller gefordert! Klar, es würde ein "Erdbeben" auslösen, aber besser ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende. So belassen, steuert unser Hobby in immer tiefere Probleme, wird dann vielleicht das einer kleinen Minderheit. Grundlegende Änderungen, daran führt kein Weg vorbei, werden früher oder später ohnehin kommen, nur heute könnte man mit gewissenhafter Arbeit und baldigem Handeln noch viel mehr retten, als es zu einem späteren Zeitpunkt möglich wäre.
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