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Frage:
07.01.2018
Frage:
Guten Tag Herr Köpfer!

Ich lese Ihre Website seit Jahren und möchte mich dafür bedanken, daß Sie damit so vielen Menschen die Augen öffnen konnten.

Ich habe eine Frage bezüglich der Schlegel BPP-Signatur, welche rückseitig auf der Marke angebracht.

Ich habe einer anderen Leserfrage gelesen, daß Sammlerbeschriftungen rückseitig auf der Marke als wertmindernd gelten, jedoch nicht bei der Schlegel-Signatur, obwohl diese, wenn auf einer postfrischen Marke rückseitig aufs Gummi gestempelt, ja eigentlich nicht mehr postfrisch ist, also nicht mehr so, wie von bei der Post einst verausgabt, wenn man "postfrisch" so definieren sollte.

Eigentlich müssten doch aus dieser Überlegung heraus alle Marken kein rückseitiges, teilweise sogar mehrfach, Prüfzeichen aufgestempelt werden (oder darf man auch sagen, "beschmiert werden"?), sondern nur und ausschließlich
Kurzbefunde, Befunde und Atteste ausgestellt werden.

Den einzigen Vorteil, den ich bei einem Prüfzeichen gegenüber eines Befundes sehe, ist, daß man die Erhaltung einer Marke eventuell genauer angeben kann durch die Anbringung des Signums in unterschiedlicher Höhe, gemessen ab der unteren Zahnreihe.

Wie sehen Sie dies, Herr Köpfer?

Antwort:
Wenn es diese kleinkriminellen Briefmarkenmanipulateure, die auf eine Stufe mit Laden- oder Taschendieben zu stellen sind, nicht gäbe, wäre die Prüfung von Sammlermarken und deren Folgen überhaupt kein Thema. So aber geht in der Philatelie ohne Prüfung gar nichts.
Das bedeutet gleichzeitig, dass Kennzeichnungen oder Atteste notwendig sind, die den Zustand eines Sammelobjekts be- bzw. umschreiben. Üblich sind ein Signum, welches, unterschiedlich angebracht, auch die Qualität zu beschreiben versucht und Kurzbefunde oder Atteste, die das gleiche Ziel haben.

Bei postfrischen Prüfobjekten erhebt sich die Frage, wie sichergestellt ist, dass z.B. ein Berliner Währungsgeschädigten-Block mit Attest auch der ist, der geprüft wurde oder dem gutgläubigen Käufer ein manipuliertes Sammelstück untergejubelt wird? Der betrügerische Verkäufer bekommt ja immer wieder ein neues Attest. Und diese Gefahr besteht nicht nur bei Blocks.

Und, da der Normalsammler ja nicht der ist, der sich z.B. einen Satz „schwarzer Aufdruck“ (Michel 1 – 20) komplett mit Attest kauft, sondern Stück für Stück, Wert für Wert, müsste er, um den irgendwann kompletten Satz entweder auf Risiko ungeprüft zusammengetragen haben, oder jeden Wert mit Kurzbefund (20 Befunde) geprüft haben.

Überträgt man diese Vorgehensweise (ungeprüft zusammentragen) auf die gestempelte Variante, wird es noch verrückter: War bei „postfrisch“ noch das Risiko auf nachgummiert, repariert oder falscher Aufdruck beschränkt, kommt hier noch der falsche Stempel hinzu. Der Wunsch, diesen Satz mit Attest prüfen zu lassen, wird die Enttäuschung schlechthin.

Fazit hier: der Normalsammler wird seine Sammlung Stück für Stück zusammentragen, was ja schließlich auch der Spaß beim Sammeln ist, und tunlichst jedes bessere Objekt mit Signum geprüft erstehen – und dabei höher geprüfte, also solche mit Qualitätsfehlern, unbeachtet lassen. Und es ist zweifelsfrei festzustellen, dass mit Signum, oder, wenn sinnvoll, mit Befund oder Attest geprüfte Marken sichtbar echt sind, uns Sammler vor Betrug schützen.

Wer es sich finanziell erlauben kann, Briefmarken mit Attesten zu kaufen, wird, wegen der höheren Prüfgebühr, tiefer in die Tasche greifen müssen - und überwiegend gefälligkeitsgestempelte Ware der Versandstellen (Charlottenburg oder Berlin 12, Frankfurt, Bonn oder Weiden) erstehen.

Eine Minderbewertung mit Signum geprüfter Marken lancieren zu wollen, halte ich für einen neuen Versuch, die Sammler über den Tisch zu ziehen oder im Umkehrschluß, den kapitalkräftigen Sammlern noch mehr Geld abzuknöpfen.

Und das ist wieder einmal der Moment, wo ich daran erinnern möchte, dass wir Sammler die Philatelie sind, ohne uns gäbe es sie nicht.