Berlin-Briefmarken
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Frage:
05.04.2016
Sehr geehrter Herr Köpfer,
ich wende mich mit diesem Schreiben an Sie, weil ich mein verloren geglaubtes Hobby wieder aktivieren möchte! In zartem Alter von 10-16 Jahren pflegte ich, angeregt durch meine Oma, Briefmarken alsbald mit Leidenschaft zu sammeln! Jetzt im Alter von 55 Jahren wurde diese Leidenschaft durch eine Briefmarkennachlass eines mir unbekannten Sammlers reaktiviert! Ich kam unvermittelt zu Briefmarken die ich mir als Kind nur mal im DNK hab ansehen dürfen! Doch verschüchtert durch Ihre Zeilen auf Ihrer Homepage will ich als "Wiedereinsteiger" und doch blutiger Anfänger Ihnen ein paar Fragen stellen! Hoffe Ihre Zeit läßt dies zu.
Also...ausgehend zum DNK Katalog hatte man früher folgende Orientierung: Marken die ungestempelt waren hatten meist einen hohen Katalogwert. Noch höher bewertet waren die ETB`s. Nun lese ich auf ihren Seiten, daß zum Teil Marken(Berlin) wertlos dadurch geworden sind, da sie nicht mehr in Umlauf gebracht werden können!
Das verstehe ich nicht. Auch werden ETB`s geradezu "verschenkt". Könnten Sie mich da etwas aufklären?
Übrigens habe ich durch Ihr Video einen seriösen Eindruck gewonnen, weshalb ich mich hiermit an Sie wende!
Briefmarken habe ich als Kind hier in Pforzheim auch beim Briefmarkenhändler Willadt zugekauft (sofern vom Taschengeld etwas übrig blieb) Und meine Oma sagte immer, daß dies eine gute Wertanlage wäre??
MfG verbleibe ich
Hermann
Antwort:
Zuerst mal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Entschluß, das Briefmarkensammeln wieder zu aktivieren - und lassen Sie die "Leidenschaft" auch jetzt wieder zu.

In der Beschreibung Ihrer Entwicklung und des damit verbundenen Handelns sehe ich auch mein eigenes und das hunterttausender anderer Sammler. Jeder hat diese mit großem Geschick glorifizierten und wunderbar etikettierten "Dosen" gekauft. Jahrzehntelang, ohne jegliches eigenes Denken bzw. nur vereinzelter, kaum hörbarer Kritik. Nun kamen all die mit dem damals noch "zarten" Alter in die Jahre und wollten die Früchte ernten, die sie mit oft gewaltigem finanziellen Aufwand glaubten zur idealen Reife gebracht zu haben. Jetzt aber kam die bittere Erkenntnis, daß (wiederum) hunderttausende Sammler genau so gehandelt haben, wie alle enderen auch. Der Markt besteht also nur noch aus Verkäufern. Erfolgreicher Handel jedoch sollte aus mindestens 50 %, besser noch 70 oder 80 % oder mehr Käufern bestehen - dann, und nur dann, können sich die Preise entwickeln, von denen wir Sammler träumen. Und, fast noch wichtiger, wir Sammler sollten diese Preise auch zahlen wollen.

Eine weitere, im Prinzip logische Erkenntnis ist die, daß Sammeln nicht das Zusammentragen spezielle dafür hergestellter Dinge ist, sondern die Suche nach dem Außergewöhnlichen,dem Besonderen - insbesondere aber das FINDEN dessen. Fazit hieraus: all dieser künstlich hergestellte "Schrott" (u.a. die ETB´s) ist wertlos.

Und, nicht zuletzt, auf das jehrzehntelange Sammeln ausschließlich postfrischer Briefmarken (per ABO!!) bezogen: Wie soll etwas, das es millionen-, teils milliardenfach in identischer Art gibt, irgendeine Bedeutung gewinnen?

Erschwerend kommt bei alledem hinzu, daß sich ein Handel entwickelt hat, der nichts anderes im Sinn hat, als uns Sammler über den Tisch zu ziehen - von wenigen Ausnahmen mal abgesehen! Bestes Beispiel hierfür sind die Katalogpreise, die mit einem Sammelwert überhaupt nichts zu tun haben, uns aber weismachen wollen, es sei so. Weismachen auch, es gäbe unterschiediche Qualitäten. Die gibt es nicht. Es gibt nur eine, die allebeste, die einzig sammelwürdige.

Meine Empfehlung: Lesen Sie meine Seiten. Alle. Gründlich. Und ziehen dann Ihre eigenen Schlüsse - und können dann hoffentlich unser wunderbares Hobby (im Alter vor allem als Zeitvertreib!) genießen.