Berlin-Briefmarken
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Frage:
06.07.2013
Frage: Guten Tag lieber Herr Köpfer

Ich bin zufällig auf Ihre Webseite gestossen.

Für meinen Schwiegervater, ein pensionierter Internist und passionierter Briefmarkensammler in Berlin, hatte ich bei der
Braunschweiger Firma BOREK ein Abo bestellt mit seltenen Briefmarken aus der Zeit von 1933-1945.

Nun stellte sich schon bei der ersten Lieferung heraus, dass ein Teil der Briefmarken DEFEKT (also für Philatelisten nicht brauchbar, daher weitgehend wertlos) waren.

Auch nach dem Ersatz war bei der dritten Lieferung erneut defekte Wertzeichen dabei. Auch diese wurden umgetauscht, nur wurde nach 3x (DREI MAL!) umtauschen immer nur defekte Ware geliefert.

Frage an Sie: haben diese fehlerhaften Lieferungen SYSTEM? Wird demnach in Masse einfach mal wertloses \"Zeug\" verschickt und zwar wohl wissend, dass die \"dummen\" / häufig unkritischen Kunden nichts monieren?

Danke für Ihre Empfehlung.

Was ist zu tun? Andere potentielle Kunden warnen?

So recht griffig ist die rechtliche Lage ohnehin nicht. Also ein geeignetes Feld um andere zu übervorteilen?

Gruss aus Berlin

Patrick Eichenberger


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Prof. Dr. Patrick Eichenberger
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Guten Tag lieber Herr Köpfer

Besten Dank für Ihre ausführliche, plausible und gut nachvollziehbare Erklärung.

Gerne können Sie unseren kurzen Mail-Wechsel weiter verwerten und diesen in Ihrer Rubrik \"Fragen + Antworten einstellen.

Da ich in Zürich Dozent für Wirtschaftsethik auf Master-Stufe bin, so werde ich aus diesem kleinen, wenn auch bedauerlichen Geschäftsfall, eine kleine Fall-Studie für den M.B.A.-Lehrgang ab dem Semester 2013/14 erarbeiten.

Es gibt selbst in unserem modernen Zeitalter der \"globalen Kommunikation\" und der recht gut verfügbaren Informations-Welt dank Suchmaschinen, Google, Yahoo, etc. in der Wirtschaftswelt noch immer viel zu viele schwarzen Schafe, die einen Informations- / Wissensvorsprung schamlos gegenüber \"unwissenden Kunden\" ausnützen. Man nannte das im Handel früher \"Arbitrage\". Hier liegt wohl mit Sicherheit Übervorteilung, wahrscheinlich Betrug und/oder in jedem Fall Fehlinformation mit einer gewissen
Geschäfts-Systematik vor. Stossend, weil hier offenbar gezielt in einer Grauzone operiert wird!

Genau dieses bewusste Ausschöpfen jeglicher Grauzonen auf dem Buckel der \"Kunden\" versuchen wir unseren Studenten zu verdeutlichen, sie darauf zu sensibilisieren und eben solches Geschäftsverhalten auszureden.

\"Wirtschaftsethik beginnt dort, wo das Gesetz endet!\"

Mit freundlichen Grüssen

Patrick Eichenberger

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Schreiben an Borek:

Guten Tag

Erneut habe ich gestern von BOREK eine Werbesendung erhalten.

1. Ich möchte KEINE Werbesendungen, KEINE Mails von BOREK.

2. Für meinen Schwiegervater Dr. Wolfgang Foertsch, Kunden-Nr. 759 87 052, war ich ein Abo bei BOREK eingegangen. Da die gelieferten Briefmarken an meinen Schwiegervater teilweise defekt (beschädigt) waren und selbst nach DREI MALIGEM (3x !!!) Ersatz noch immer defekte Ware geliefert wird, so vermute ich systematische Übervorteilung (auf Deutsch: BETRUG!) des Kunden. Daher möchte auch mein Schwiegervater mit BOREK NICHTS mehr zu tun haben. Das Abo soll gemäss Frau Kerstin (heutiges Telefonat über 0531 205 555) bereits sistiert/gelöscht worden sein.

3. Danke, dass Sie mir sowohl die Löschung all meiner Kundendaten bestätigen, als auch das Stornieren meines Abo bei BOREK zu Gunsten meines Schwiegervaters.

Gelinde gesagt sind Ihre Leistungen enttäuschend schwach und in der Folge hochgradig bemühend, wenn es um die Nachbesserung geht.

Mit freundlichen Grüsse

Patrick Eichenberger
Antwort:
Nein, Sprachlosigkeit verursacht solch ein Vorfall nicht, er ist eher eine weitere Bestätigung all der Vorurteile, die sich bei mündigen Sammlern aufgebaut haben - und schürt weitere.

Die Vermutung liegt nahe, daß man dort überhaupt nicht in der Lage ist, einwandfreies und sammelwürdiges Material zu liefern? Denn es ist doch völlig unverständlich, daß einer der größten deutschen Briefmarkenhändler, der übrigens auch gleichzeitig einer derer mit den allerhöchsten Preisen ist, auch nach zwei Reklamationen eines Kunden nicht in Lage ist, zwar dann immer noch Überteuertes, aber zumindest Sammelwürdiges zu liefern.

Andererseits würde das meine Vermutung bestätigen, daß über 99 % der den Philateliemarkt überflutenden Briefmarken Schrott ist, nicht sammelwürdig und einfach nur wertlos. Gehe ich davon aus, was von Angebotenem für mich persönlich interessant und sammelwürdig erscheint, dann steigt der Schrottanteil sogar stark über diese 99 % hinaus.

Dabei ist noch nicht einmal der Anteil des besonders bei solchen Häusern alles dominierenden, von vornherein als wertlos im Wiederverkauf einzustufenden Machwerks, berücksichtigt.

Und es erhebt sich besonders die Frage, wie viele uninformierte Sammler es gibt, die überhaupt nicht bemerken, wie sie über den Tisch gezogen werden und irgendwann und viel zu spät einfach nur den Totalverlust ihres Investments feststellen müssen?

Mich würde interessieren, ob es im Philateliebereich Institutionen gibt, die den von Professor Eichenberger kolportierten Satz "Wirtschaftsethik beginnt dort, wo das Gesetz endet" in ihrer Geschäftsphilosophie auch nur ansatzweise berücksichtigen. Ich glaube das nicht, eher findet schon das Gesetz keine Beachtung.